Soldatenfliegen-Larven züchten

Bei diesem Titel mag sich einer leicht fragen, zu welchem Zweck denn Soldatenfliegen bzw. deren Larven gezüchtet werden sollen. Diese Frage ist berechtigt und bedarf einer befriedigenden Antwort. Vor einigen Jahren habe ich im Fernsehen eine Projekt gesehen, in der eine österreichische Studentin Soldatenfliegenlarven gezüchtet hat, um sie zu verzehren. Diese für viele Menschen ekelhafte Vorstellung hat aber einen ganz praktischen, gar zukunftsweisenden Hintergrund:

Der immer mehr ansteigende Fleischbedarf der Menschheit. Milliarden Nutztiere werden auf der Erde gehalten, um mit deren Fleisch den weltweiten Hunger danach zu stillen. Immer mehr Menschen können sich Fleisch leisten, wird dieses doch so günstig angeboten. Dass dies für die folgenden Jahrzehnte mit steigenden Bevölkerungszahlen nur schwerlich so weitergehen kann, ist selbstverständlich. Höchsten auf die Kosten des armen Teils der Menschheit, auf ihre und unsere Gesundheit und die der Tiere, ist ein solcher Trend vorstellbar. Um dem entgegen zu wirken, hat die Studentin Katharina Unger “Farm 432” entwickelt, eine Zuchtstation für die Larven der Soldatenfliege. Diese können einen Großteil der Küchenabfälle verwerten und wandeln sie in Proteine um. Die Larven dienen so als Fleischersatz und können beliebig verschiedenen Gerichten beigemengt werden. Die Zuchtstation ist so gut designed, dass sie sich in die Wohnung als Eyecatcher integrieren lässt. So kann der Fleischbedarf aus eigenem Hause gestillt werden – und man weiß, was man den Larven zu fressen gegeben hat. Eine Antibiotika-Resistenz lässt sich so einfach vermeiden. Weitere Informationen finden sich unter http://www.livinstudio.com/farm432/.
Da diese Zuchtstation noch nicht auf dem Markt ist, habe ich mir meine eigene gebaut. In dem kleineren durchsichtigen Behälter sollen die Fliegen in ihrer kurzen Lebensdauer leben und ihre Eier in die Löcher in dessen Boden legen. Schlüpfen die Maden, so fallen sie in der Theorie in die große Box darunter und den darin befindlichen Bioabfall. Hier können sie sich satt essen. Möchten sie sich verpuppen, so wandern sie die Rampe hoch und fallen in den linken abgetrennten Behälter, wo sie entnommen und verzehrt werden können. Ein Teil dieser verpuppenden Larven können wieder in den kleineren durchsichtigen Behälter gelegt werden, wo sie sich zu Fliegen entwickeln und den Kreislauf vervollständigen.

Leider hat dies bei mir in der Praxis nicht funktioniert. Die Maden haben nur seltenst den Weg über die Rampe gefunden. Da dieses System in der Wohnung aufgestellt werden soll, darf es keine Gerüche an die Umgebung abgeben. Jedoch fing der Bioabfall penetrant an zu riechen. Nach einer Larvengeneration, die ich bei Amazon erstanden habe, war somit Schluss. Aber ich darf aus Fehlern lernen und es beim nächsten Mal besser machen.